Stop Loss, auch bekannt als Jahresüberschadenrückversicherung oder Aggregate Excess of Loss, ist eine Form der nicht-proportionalen Rückversicherung, die den Erstversicherer vor einer Kumulierung von Schäden über ein gesamtes Geschäftsjahr schützt. Im Gegensatz zu anderen Excess of Loss Verträgen, die sich auf Einzelschäden oder Einzelereignisse konzentrieren, deckt ein Stop Loss Vertrag die Summe aller Schäden, die der Erstversicherer in einem bestimmten Zeitraum (meist ein Jahr) erleidet, sobald diese Summe eine vordefinierte Schwelle überschreitet.
Funktionsweise
Ein Stop Loss Vertrag wird durch zwei Hauptparameter definiert:
- Priorität (Attachment Point): Dies ist die maximale Gesamtschadenssumme, die der Erstversicherer innerhalb des Vertragsjahres selbst trägt. Diese Priorität wird oft als Prozentsatz der verdienten Prämien oder als fester Betrag ausgedrückt.
- Deckungssumme (Limit): Dies ist der maximale Betrag, den der Rückversicherer über der Priorität zahlt.
Beispiel: Ein Erstversicherer hat einen Stop Loss Vertrag von „10 Millionen Euro Excess of 100% der verdienten Prämien“. Das bedeutet:
- Der Erstversicherer trägt alle Schäden bis zu einer Summe, die 100% seiner verdienten Prämien im Jahr entspricht.
- Übersteigt die Summe aller Schäden diese Priorität, zahlt der Rückversicherer bis zu weiteren 10 Millionen Euro.
Vorteile von Stop Loss
- Schutz der Jahresbilanz: Der Hauptvorteil ist der umfassende Schutz der Jahresbilanz vor einer unerwartet hohen Schadenslast, die aus vielen kleineren oder mittleren Schäden resultieren kann, die einzeln keine XL-Deckung auslösen würden.
- Ergebnisstabilisierung: Stop Loss Verträge sind ein effektives Instrument zur Glättung der Geschäftsergebnisse, da sie die Volatilität der Schaden-Kosten-Quote reduzieren.
- Kapitalentlastung: Sie reduzieren den Kapitalbedarf des Erstversicherers, da er sich gegen eine Kumulierung von Schäden absichert, die seine Risikotragfähigkeit übersteigen könnte.
- Flexibilität: Die Priorität kann als fester Betrag oder als Prozentsatz der Prämien festgelegt werden, was eine Anpassung an das Geschäftsmodell des Zedenten ermöglicht.
Nachteile und Herausforderungen
- Basisrisiko: Wie bei allen nicht-proportionalen Verträgen besteht ein gewisses Basisrisiko, da die Auszahlung des Stop Loss nicht immer perfekt mit dem tatsächlichen Bedarf des Erstversicherers korreliert.
- Moral Hazard: Es besteht die Gefahr, dass der Erstversicherer weniger sorgfältig im Underwriting oder in der Schadenregulierung agiert, wenn er weiß, dass ein Großteil der Schäden durch den Stop Loss Vertrag gedeckt ist. Dies wird jedoch durch die Priorität und oft durch Selbstbehalte des Zedenten am Schaden oberhalb der Priorität minimiert.
Stop Loss ist ein wichtiges Instrument für Versicherer, die ihre Jahresergebnisse vor unvorhergesehenen Kumulschäden schützen und ihre finanzielle Stabilität langfristig sichern wollen.
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