Der Alternative Risikotransfer (ART) bewegt sich an der Schnittstelle von Versicherung und Kapitalmarkt. Diese Dualität stellt die Aufsichtsbehörden vor besondere Herausforderungen. Die Regulierung von Insurance-Linked Securities (ILS) ist entscheidend, um die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten und Investoren zu schützen. In Europa spielt die Solvency II-Richtlinie eine zentrale Rolle bei der Definition, wie Versicherer und Rückversicherer ILS-Instrumente nutzen dürfen.
Dieser Artikel analysiert den regulatorischen Rahmen für ILS, die Rolle von Domizilen wie Bermuda und Luxemburg und wie Solvency II die Attraktivität von ILS als Risikotransferinstrument beeinflusst hat.
1. Die Herausforderung der Regulierung
ILS-Strukturen sind komplex. Sie umfassen oft eine Zweckgesellschaft (SPV) in einem Offshore-Zentrum, Investoren aus aller Welt und einen Sponsor, der in einem anderen Rechtsraum sitzt. Die Aufsicht muss sicherstellen, dass:
1. Das Risiko tatsächlich übertragen wird: Die Transaktion darf keine Scheintransaktion sein.
2. Die Besicherung sicher ist: Das Collateral muss sicher angelegt sein, um im Schadensfall verfügbar zu sein.
3. Investoren geschützt sind: Die Transparenz muss gewährleistet sein.
2. Solvency II: Der europäische Rahmen
Solvency II ist die europäische Aufsichtsrichtlinie für Versicherungsunternehmen. Sie hat die Art und Weise, wie europäische Versicherer Risiken managen und übertragen, grundlegend verändert.
A. Anerkennung von Risikotransfer
Solvency II erkennt ILS-Strukturen explizit als Instrumente zur Risikominderung an. Dies war ein wichtiger Schritt, da es den Versicherern erlaubt, ihren Kapitalbedarf zu senken, wenn sie Risiken über ILS übertragen.
B. Kapitalentlastung
Wenn ein Versicherer ein Risiko über einen Cat Bond überträgt, reduziert sich sein Solvenzkapitalbedarf (SCR). Dies macht ILS zu einem attraktiven Instrument zur Kapitalentlastung.
C. Anforderungen an die Besicherung
Solvency II stellt strenge Anforderungen an die Qualität des Collaterals. Es muss sicher, liquide und diversifiziert sein, um das Gegenparteirisiko zu minimieren.
3. Die Rolle der ILS-Domizile
Die meisten ILS-Transaktionen finden in spezialisierten Rechtsräumen statt, die eine effiziente Regulierung für Zweckgesellschaften bieten.
A. Bermuda (BMA)
Bermuda ist der unangefochtene Marktführer. Die Bermuda Monetary Authority (BMA) hat ein regulatorisches Regime geschaffen, das auf die Bedürfnisse von ILS zugeschnitten ist. Bermuda hat von der EU die Solvency II-Äquivalenz erhalten, was bedeutet, dass die dort ansässigen Zweckgesellschaften von europäischen Aufsichtsbehörden als gleichwertig anerkannt werden.
B. Luxemburg und Irland
Diese EU-Länder versuchen, durch die Schaffung eigener ILS-Regime (z.B. durch den Securitisation Act in Luxemburg) Marktanteile zu gewinnen. Ihr Vorteil ist der direkte Zugang zum EU-Binnenmarkt.
4. Regulatorische Herausforderungen und die Zukunft
A. Cyber-ILS
Die Regulierung steht vor der Herausforderung, neue Risiken wie Cyber-Risiken zu bewerten. Da historische Daten fehlen, ist die Modellierung schwierig, was die Aufsicht vorsichtig macht.
B. Transparenz
Die Aufsichtsbehörden fordern zunehmend mehr Transparenz über die tatsächlichen Risiken, die in den ILS-Strukturen stecken, um eine systemische Gefahr zu vermeiden.
5. Fazit: Regulierung als Wachstumsmotor
Die Regulierung von ILS ist ein Balanceakt zwischen der Förderung von Innovation und der Gewährleistung von Stabilität. Solvency II hat ILS in Europa salonfähig gemacht und zu einem wichtigen Instrument der Kapitalsteuerung erhoben. Die fortlaufende Anpassung der Regulierung in den Domizilen ist entscheidend, um das Wachstum des ART-Marktes in neue Risikoklassen zu ermöglichen.
Dieser Artikel ist Teil unseres umfassenden Themenclusters zum Alternativen Risikotransfer. Erfahren Sie mehr über die Grundlagen in unserem Hauptartikel: Der ultimative Guide zum Alternativen Risikotransfer (ART).
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