Excess of Loss (XL), oft auch als Schadenexzedentenrückversicherung bezeichnet, ist eine der wichtigsten Formen der nicht-proportionalen Rückversicherung. Sie schützt den Erstversicherer vor großen Einzelschäden oder einer Kumulierung von Schäden aus einem einzelnen Ereignis, die seine finanzielle Tragfähigkeit übersteigen würden. Im Gegensatz zur proportionalen Rückversicherung, bei der Prämien und Schäden prozentual geteilt werden, tritt der Rückversicherer bei Excess of Loss erst dann in Leistung, wenn der Schaden eine vordefinierte Haftungsstrecke (Priorität) überschreitet.
Funktionsweise
Ein Excess of Loss Vertrag wird durch zwei Schlüsselparameter definiert:
- Priorität (Retention oder Attachment Point): Dies ist der Betrag, den der Erstversicherer pro Schaden oder Ereignis selbst trägt. Alle Schäden bis zu dieser Höhe verbleiben vollständig beim Erstversicherer.
- Deckungssumme (Limit): Dies ist der maximale Betrag, den der Rückversicherer über der Priorität zahlt.
Beispiel: Ein Erstversicherer hat einen XL-Vertrag von „5 Millionen Euro Excess of 1 Million Euro“. Das bedeutet:
- Der Erstversicherer trägt die ersten 1 Million Euro jedes Schadens selbst.
- Für Schäden, die 1 Million Euro übersteigen, zahlt der Rückversicherer bis zu weiteren 5 Millionen Euro.
- Ein Schaden von 3 Millionen Euro würde bedeuten, dass der Erstversicherer 1 Million Euro und der Rückversicherer 2 Millionen Euro zahlt.
- Ein Schaden von 8 Millionen Euro würde bedeuten, dass der Erstversicherer 1 Million Euro und der Rückversicherer 5 Millionen Euro zahlt. Die restlichen 2 Millionen Euro würden, falls nicht anderweitig rückversichert, wieder auf den Erstversicherer zurückfallen (Reinstatement).
Vorteile von Excess of Loss
- Schutz vor Katastrophen: XL-Verträge sind ideal, um sich gegen seltene, aber potenziell existenzbedrohende Großschäden (z.B. Naturkatastrophen, Großbrände) abzusichern.
- Kapitalentlastung: Sie reduzieren den Kapitalbedarf des Erstversicherers erheblich, da er nur für die Priorität Kapital vorhalten muss.
- Ergebnisstabilisierung: XL-Verträge glätten die Gewinne und Verluste des Erstversicherers, indem sie die Auswirkungen extremer Ereignisse abfedern.
- Flexibilität: Die Priorität und Deckungssumme können präzise an das Risikoprofil und die Risikobereitschaft des Erstversicherers angepasst werden.
Arten von Excess of Loss Verträgen
- Per Risk XL: Schützt vor großen Schäden aus einem einzelnen versicherten Risiko (z.B. ein großes Gebäude).
- Per Event XL (Catastrophe XL): Schützt vor der Kumulierung vieler kleinerer Schäden aus einem einzigen Ereignis (z.B. ein Hurrikan, der Tausende von Häusern beschädigt).
- Aggregate XL: Schützt vor der Kumulierung aller Schäden über ein ganzes Geschäftsjahr (siehe Stop Loss).
Excess of Loss ist ein unverzichtbares Instrument im Risikomanagement von Versicherungsunternehmen und trägt maßgeblich zur Stabilität des gesamten Versicherungsmarktes bei.
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