Die Obligatorische Rückversicherung, im Englischen als Treaty Reinsurance bezeichnet, ist die häufigste Form der Rückversicherung. Im Gegensatz zur fakultativen Rückversicherung, bei der jedes Risiko einzeln verhandelt wird, verpflichtet sich der Erstversicherer (Zedent) bei einem obligatorischen Vertrag, alle Risiken eines bestimmten Portfolios oder einer bestimmten Sparte an den Rückversicherer abzutreten. Gleichzeitig verpflichtet sich der Rückversicherer, diese Risiken gemäß den Vertragsbedingungen zu übernehmen.

Funktionsweise

Ein obligatorischer Rückversicherungsvertrag ist eine Rahmenvereinbarung, die für eine bestimmte Periode (meist ein Jahr) gilt. Er deckt eine vordefinierte Gruppe von Risiken ab, die der Erstversicherer in seinem normalen Geschäftsbetrieb zeichnet. Die wichtigsten Merkmale sind:

  • Automatische Zession: Alle Risiken, die den im Vertrag festgelegten Kriterien entsprechen, werden automatisch an den Rückversicherer zediert.
  • Automatische Annahme: Der Rückversicherer ist verpflichtet, alle zedierten Risiken anzunehmen.
  • Vertragsbedingungen: Der Vertrag legt detailliert fest, welche Risiken gedeckt sind, wie Prämien und Schäden aufgeteilt werden, die Laufzeit des Vertrages und andere relevante Bedingungen.

Vorteile der Obligatorischen Rückversicherung

  1. Effizienz: Der Verwaltungsaufwand ist deutlich geringer als bei der fakultativen Rückversicherung, da keine Einzelprüfung jedes Risikos notwendig ist. Dies führt zu Kosteneinsparungen für beide Parteien.
  2. Planungssicherheit: Der Erstversicherer hat die Gewissheit, dass seine Risiken automatisch rückversichert sind, was eine bessere Planung seiner Zeichnungskapazität ermöglicht.
  3. Kapazitätsmanagement: Obligatorische Verträge ermöglichen es dem Erstversicherer, große Mengen an Risiken effizient zu managen und seine Bilanz zu schützen.
  4. Stabilität: Durch die langfristige Natur der Verträge und die automatische Risikoübernahme wird die Stabilität der Geschäftsergebnisse des Erstversicherers gefördert.

Nachteile

  • Weniger Flexibilität: Im Vergleich zur fakultativen Rückversicherung bietet der obligatorische Vertrag weniger Spielraum für die individuelle Anpassung an spezifische, ungewöhnliche Risiken.
  • Vertrauen: Die Beziehung zwischen Zedent und Rückversicherer muss auf großem Vertrauen basieren, da der Rückversicherer die Underwriting-Entscheidungen des Zedenten akzeptiert.

Arten von Obligatorischen Verträgen

Obligatorische Verträge können sowohl proportional (z.B. Quotenrückversicherung, Summenexzedent) als auch nicht-proportional (z.B. Excess of Loss, Stop Loss) strukturiert sein.

Die obligatorische Rückversicherung ist das Rückgrat des globalen Rückversicherungsmarktes. Sie ermöglicht die effiziente und umfassende Absicherung großer Portfolios und trägt maßgeblich zur Stabilität und Funktionsfähigkeit der gesamten Versicherungsbranche bei.

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