Die Rückversicherung wird grundsätzlich in zwei Hauptformen unterteilt: die proportionale und die nicht-proportionale Rückversicherung. Die proportionale Rückversicherung ist die direkteste und transparenteste Form der Risikoteilung. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass der Rückversicherer einen festen, vertraglich vereinbarten Anteil an den Prämien und den Schäden des Erstversicherers übernimmt.
Das Prinzip der Proportionalität
Der Kerngedanke der proportionalen Rückversicherung ist die Aufteilung im Verhältnis. Wenn der Erstversicherer 60 % eines Risikos an den Rückversicherer abgibt, dann erhält der Rückversicherer 60 % der Prämie und trägt im Gegenzug 60 % jedes einzelnen Schadens, der aus diesem Risiko entsteht.
Die Rückversicherungskommission
Da der Erstversicherer die gesamte Arbeit des Underwritings, der Verwaltung und der Schadenregulierung leistet, erhält er vom Rückversicherer eine sogenannte Rückversicherungskommission (Ceding Commission). Diese Kommission ist ein Prozentsatz der abgetretenen Prämie und dient dem Zedenten als Ausgleich für seine Kosten und als Gewinnmarge. Die Höhe der Kommission ist ein zentraler Verhandlungspunkt im Rückversicherungsvertrag.
Die Hauptformen der Proportionalen Rückversicherung
Innerhalb der proportionalen Rückversicherung dominieren zwei Vertragstypen: der Quotenvertrag und der Summenexzedentenvertrag.
1. Der Quotenvertrag (Quota Share Treaty)
Der Quotenvertrag ist die einfachste Form. Hierbei wird ein fester Prozentsatz des gesamten Versicherungsbestandes oder eines definierten Portfolios (z.B. alle Feuerversicherungen) an den Rückversicherer abgetreten.
Funktionsweise:
- Beispiel: Ein Erstversicherer schließt einen 50 % Quotenvertrag ab.
- Prämie: Von jeder eingenommenen Prämie werden 50 % an den Rückversicherer abgeführt.
- Schaden: Bei jedem Schadenfall trägt der Rückversicherer 50 % des Schadens.
- Vorteil: Der Quotenvertrag bietet dem Erstversicherer eine sofortige und umfassende Kapitalentlastung und Stabilisierung des technischen Ergebnisses, da sowohl kleine als auch große Risiken gleichmäßig verteilt werden.
- Nachteil: Der Erstversicherer gibt auch einen Teil des potenziellen Gewinns aus den guten, risikoarmen Verträgen ab.
2. Der Summenexzedentenvertrag (Surplus Treaty)
Der Summenexzedentenvertrag ist komplexer und zielt darauf ab, die Zeichnungskapazität des Erstversicherers gezielt zu erhöhen, ohne alle Risiken pauschal abzugeben.
Funktionsweise:
- Selbstbehalt (Retention): Der Erstversicherer legt einen maximalen Betrag fest, den er pro Risiko selbst tragen möchte (die sogenannte Priorität oder Retention).
- Exzedent (Surplus): Die Rückversicherung deckt den Teil der Versicherungssumme ab, der diesen Selbstbehalt übersteigt. Der Exzedent wird in Linien (Lines) gemessen, wobei eine Linie dem Selbstbehalt entspricht.
- Beispiel: Selbstbehalt = 100.000 Euro (1 Linie). Der Vertrag erlaubt 9 Exzedentenlinien. Die maximale Zeichnungskapazität des Erstversicherers beträgt somit 10 Linien (10 x 100.000 Euro = 1.000.000 Euro).
- Versicherungssumme 150.000 Euro: 100.000 Euro trägt der Zedent (2/3), 50.000 Euro der Rückversicherer (1/3).
- Versicherungssumme 500.000 Euro: 100.000 Euro trägt der Zedent (1/5), 400.000 Euro der Rückversicherer (4/5).
- Prämien- und Schadenaufteilung: Die Aufteilung von Prämie und Schaden erfolgt proportional zum Verhältnis der abgetretenen Versicherungssumme zur Gesamtversicherungssumme.
- Vorteil: Der Erstversicherer behält die Kontrolle über die kleineren, profitablen Risiken und nutzt die Rückversicherung nur für die großen Risiken, die seine Kapazität übersteigen.
Vor- und Nachteile der Proportionalen Rückversicherung
| Aspekt | Quotenvertrag (Quota Share) | Summenexzedentenvertrag (Surplus Treaty) |
|---|---|---|
| Ziel | Kapitalentlastung, Stabilisierung des Ergebnisses | Erhöhung der Zeichnungskapazität |
| Komplexität | Gering (fester Prozentsatz) | Mittel (Berechnung des Anteils pro Risiko) |
| Risikostreuung | Sehr hoch (alle Risiken betroffen) | Gezielt (nur Risiken über der Priorität) |
| Kosten | Höher, da auch gute Risiken abgetreten werden | Geringer, da nur große Risiken abgetreten werden |
| Verwaltung | Einfach, da pauschale Abrechnung | Aufwendiger, da jedes Risiko einzeln betrachtet werden muss |
Die Bedeutung für den Erstversicherer
Die proportionale Rückversicherung bietet dem Zedenten eine Reihe von strategischen Vorteilen:
- Kapitalentlastung: Sie reduziert die notwendigen Reserven und das Solvenzkapital, da ein Teil der Verbindlichkeiten an den Rückversicherer übertragen wird.
- Stabilität: Sie sorgt für eine Glättung der Schadenbilanz, indem sie die Volatilität der Ergebnisse reduziert.
- Expertise: Durch die enge Bindung an den Rückversicherer, der am Underwriting-Ergebnis direkt beteiligt ist, profitiert der Zedent von dessen Expertise und Know-how.
Die Wahl zwischen Quoten- und Summenexzedentenvertrag hängt von der Risikostrategie des Erstversicherers ab. Quotenverträge werden oft zur allgemeinen Stärkung der Bilanz und zur Risikostreuung eingesetzt, während Summenexzedentenverträge primär zur gezielten Kapazitätserweiterung dienen. Beide Formen sind jedoch essenziell, um die finanzielle Stabilität und das Wachstum eines Erstversicherungsunternehmens zu gewährleisten.
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